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Noch kann man "Third Eye" nicht kaufen. Und im direkten Einsatz durfte es sich auch noch nicht bewähren. Denn das Herzstück des Systems ist ein von den Schülern entwickelter hochkomplexer Chip; die Staufener Hardware Arbeitsgemeinschaft (HAG) hat nur einen davon. Dass ihr Chip überhaupt produziert wurde, ist die Anerkennung dafür, dass hinter Idee und Umsetzung der Staufener Schüler keine Luftblase sitzt.
 | | Die Eigeninitiative am Faust-Gymnasium in Staufen trägt Früchte: Lehrer Winfried Sturm (links) und seine drei Meisterschüler Felix, Manuel und Johannes aus der Hardware-AG. FOTOS: PFEFFERLE |
Vor allem Sehbehinderte wünschen sich ein entsprechendes System. Denn trotz Blindenstock bleiben viele Hindernisse für Blinde unsichtbar. Größere Briefkästen auf dem Gehweg etwa. Oder auch die neuen Straßenbahnhaltestellen in Freiburg, deren Glasscheiben erst knapp über dem Boden beginnen. Der Stock ertastet Pflasterstein und wer sich darauf verlassen muss, der macht eine unsanfte Begegnung mit der Scheibe.
"Third Eye" könnte Blinden bei der Orientierung helfen
Ultraschall zur Orientierung einzusetzen, ist zwar nicht neu, die Umwandlung in Vibration hingegen schon. Aber erst die macht das Ganze schwierig, - und interessant. Das hat einen einfachen Grund: Blinde müssen sich auf ihr Gehör verlassen, sie achten auf Geräusche viel intensiver.
Die Idee zum Sensor kam den Schülern schon im September 2002. Schuld daran war das Elbehochwasser. Denn deshalb warteten sie auf dem Berliner Ostbahnhof und sahen, wie ein Blinder trotz Taststock sich an einem Trolley das Schienbein prellte.
Vor einem Jahr kam der Durchbruch: Bei einem Wettbewerb des Verbands der Elektrotechnik holten sie mit ihrem Projekt einen Hauptpreis. "Ich weiß nicht wie oft ich seitdem schon die Präsentation referiert habe", stöhnt Felix. "Am Anfang macht es Spaß, aber beim x-ten Mal tun nur noch die Beine weh." Alle Fragen beantwortet, alle Details erklärt. Vor dem Auftritt in Saarbrücken haben sie trotzdem Lampenfieber, denn hier schauen sich mehrere Teams mit Juroren - und das sind Fachleute - die Leistungen an. "Dann wird es wirklich sehr interessant", sagt Johannes.
Wenn aber die Presse kommt "und wir keine Lust mehr haben, dann reden wir einfach sächsisch", sagt Felix und seine Kostprobe klingt authentisch. Schließlich haben sie mehrere Jahre Rhetorikschulung mit dem gebürtigen Leipziger Winfried Sturm hinter sich.
"Edelgard Bulmahn war sehr interessiert und hat sich viel Zeit genommen", erinnert sich Felix. Auch von der Robert-Bosch-Stiftung waren die Jungs beeindruckt - das Landesfinale war "super nett" und hat "viel Spaß" gemacht. Winfried Sturm erzählt noch andere Anekdoten. Etwa die einer HAG-Schülerin, die einen Job bei der Waldkircher Hightechfirma Sick angeboten bekommen haben soll. "Das sind Gerüchte", feixen die drei Jungs. Aber in der HAG gibt es einige "Mädchen, die es draufhaben".
Klar, sie haben schon einige Auszeichnungen bekommen. Klar, eine Präsentation mit Powerpoint treibt ihnen keinen Schweiß mehr auf die Stirn. Und sie wissen auch, dass das nicht allen Schülern in diesem Alter so geht. Aber als es darum ging, den Chip zu entwickeln, da durften sie den Forschern am Institut für Chipdesign in Hannover über die Schulter schauen und Fragen stellen. "Die haben's wirklich drauf", sagt Johannes. Er will etwas Ähnliches studieren. Aber was genau? Erstmal kommt der Zivildienst - und vielleicht noch ein Preis.
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