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Zehn Brasilianer sind derzeit mit ihrer Lehrerin Roseli Kussler (Zweite von rechts) am Faust-Gymnasium Staufen zu Gast. Sie wohnen in Partnerfamilien und werden betreut von Peter Herrmann (rechts) und Roger Hochscheidt (links). FOTO: SABINE MODEL |
STAUFEN. "Wir haben vieles gemeinsam" steht in Portugiesisch und Deutsch auf den Sweatshirts der zehn brasilianischen Schüler, die derzeit mit ihrer Begleitlehrerin Roseli Kussler zu Gast am Staufener Faust-Gymnasium sind. Ihren deutschen Partnern, in deren Familien sie wohnen, haben sie dasselbe Outfit geschenkt.
Was sie verbindet, bringen Alexandra, Cristina, Tobias, Luciana, Luisa, Sara, Joana, Gabriel, Julia und Felipe rasch auf den Punkt: Grenzüberschreitende gemeinsame Hobbys, das Interesse, sich auszutauschen, die Neugier auf das jeweils andere Land, aber auch die Courage, sich auf Fremdes einzulassen.
Und anders ist für sie hier fast alles. Die meisten sind zum ersten Mal in Deutschland. Einige hatten schon Geschwister im Austausch. Aber sich im Schnee wälzen, eine Schneeballschlacht machen, Schlitten oder Ski fahren, Snowboarden - das alles ist neu und lustig, finden sie. Mit den Familien erlebten sie bereits den Europapark, Colmar, Basel und den Schwarzwald.
Überhaupt fühlen sich alle gut aufgenommen und freundlich umsorgt. Die Schule empfinden sie als disziplinierter, den Unterricht leiser, die Schüler lebhafter beteiligt, die Lehrer aber mehr als Respektsperson denn als Freund und Vertrauter wie daheim. Genießen können die Brasilianer die große Freiheit der Mobilität mit Bus und Bahn. In ihrer Heimat sind sie aus Sicherheitsgründen fast immer in Klassenverbänden oder mit der Familie unterwegs. Die Schule hier braucht keine Mauer mit Alarm und Kameras. Die Häuser haben Keller und Heizung, während man in Brasilien an kalten Tagen einen Elektroofen einsetzt. Es wird viel geraucht in Deutschland, bemerken die Gäste. Selbst von Jugendlichen. Aber man hat nichts dagegen. Schließlich lebt Brasilien von Tabak- und Zigarettenproduktion. In Brasilien darf man erst ab 18 Jahren rauchen. An den Schulen grundsätzlich nicht. Alko-Pops sind auch in Südamerika Thema. Vor allem bei Mädchen.
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Faszinierend finden die 16- bis 17-Jährigen die Geschichte ihres Gastlandes. Auch Bürgermeister Michael Benitz ging bei einem Empfang auf die Faust-Historie ein. Aber vor allem ein Berlinbesuch gab in dieser Beziehung viel her. Zu kurz war die Zeit dort, genauso wie die Tage hier, wenn es spät hell und früh dunkel wird. Aber man empfindet es als gemütlich, drinnen im Warmen zu sitzen, wenn es draußen schneit. "In meinem Zimmer fühle ich mich wie eine Prinzessin", erzählt Julia. Sie kann auf die Staufener Burg schauen. So etwas kennen Brasilianer nur aus Büchern.
Luise will Medizin studieren, sie beeindruckte der Einblick ins Herz-Zentrum. "Es sieht nicht aus wie ein Krankenhaus. Eher wie ein Fünf-Sterne-Hotel", meint sie. Die medizinische Versorgung sei indes ähnlich. Entgegengefiebert wird jetzt noch einer Parisfahrt, dem Berner Oberland, der Vita Classica und den Fasnachtstagen.
Am Aschermittwoch ist es dann auch mit der Deutschlanderkundung vorbei. Aber wenn die Gruppe heimkommt und ihre Koffer öffnen, wird erwartet, dass Milka-Schokolade und Goldbären im Gepäck sind. Auch diese Leidenschaft haben sie mit den deutschen Jugendlichen gemeinsam.
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