aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 6. Juli 2005

Zehn Stimmen gehen auf große Reise
A-cappella-Chor des Staufener Faust-Gymnasiums vertritt Deutschland beim 1. internationalen Schülerchorfestival in Schanghai

Von unserer Mitarbeiterin Martina Faller
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Von der Aula des Faust-Gymnasiums (hier beim diesjährigen Sommerkonzert) in die großen Konzertsäle der Welt. Diesen Sprung wagen die „FauSTimmen“ mit ihrer Reise zum 1. Schülerchorfestival in Schanghai.
FOTO: M. FALLER
STAUFEN. Am kommenden Samstag heben die „FauSTimmen“, der zehnköpfige A-cappella-Chor des Faust-Gymnasiums, mit dem Flugzeug ab nach China, um Deutschland beim ersten internationalen Schülerchorfestival in Schanghai zu vertreten. Und für Andreas Mölder steht bereits vor dem Abflug fest, dass die Reise der „absolute Höhepunkt“ in seinem Leben als „Faustimme“ sein wird und auch Anna Pfefferle weiß schon heute, dass sie sich ihr Leben lang daran erinnern wird.
Hart haben sie und die anderen acht Sänger des A-cappella-Chors in zusätzlichen Proben dafür gearbeitet, gemeinsam Lieder einstudiert oder zu Hause Texte gelernt. Gar für einen „kleinen Weltrekord“ hält Chorleiter Peter Koderisch das, was die Sänger in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben, und sieht darin den Beleg, dass große Ziele große Produktivität freisetzten können. Für Wolfgang Peltzer indes war die China-Reise durch das Abitur lange Zeit in den Hintergrund gedrängt und erst jetzt, wo er die Prüfungen hinter sich hat, kann er sich allmählich freuen.

Viele Ungewissheiten im Vorfeld ließen allerdings auch bei den anderen Sängern lange Zeit keine rechte Vorfreude aufkommen. Anna Pfefferle wollte die Neuigkeit deshalb auch zuerst niemandem erzählen, vor lauter Angst, die Reise wird wieder abgesagt. Schwierigkeiten in der Kommunikation mit den chinesischen Partnern sorgten dann tatsächlich dafür, dass das Projekt lange in der Schwebe hing. Regelmäßig prallte der deutsche Wunsch nach konkreten Informationen und einer detaillierten Planung ab am „großen chinesischen Improvisationstalent“, so Koderisch. Viel Fragen blieben lange unbeantwortet. Ob die Eltern trotz der dürftigen Informationslage ihr Einverständnis geben würden, war daher die größte Sorge von Andreas Mölder. Doch bei einem Elternabend konnten die Sorgen ausgeräumt und die entscheidenden Fragen in der Zwischenzeit geklärt werden: Am 9. Juli fliegen die zehn Sängerinnen und Sänger nun definitiv ab und bereits drei Tage später stehen sie auf der Bühne des großen, 2000 Menschen fassenden Konzertsaals des Oriental Art Centers in Shanghai, wo die das Festival ausrichtende Highschool ihr 90-jähriges Bestehen feiert. Das eigentliche Festival findet dann einen Tag später in einem huanderen Konzerthaus in Schanghai statt. Das Programm steht und die Unterbringung ist ebenfalls geregelt.

Sind die „FauSTimmen“ in Schanghai zusammen mit den Chören aus den anderen sechs Nationen in Schülerheimen untergebracht, verbringen sie auf ihrer anschließenden Rundreise, die sie nach Peking, nach Hangzhou und Suzhou führt, die Nächte im Hotel. Station werden sie auch in der zukünftigen Partnerschule in Schanghai machen, mit der das Faust-Gymnasium ab November ein Austauschprogramm startet.

Organisiert hat die Reise Dong Wu von der deutschen China-Gesellschaft. Von ihm ging auch der erste Kontakt zum Faust-Gymnasium aus. Offensichtlich hatte es sich bis nach Karlsruhe, dem Sitz der Gesellschaft, herumgesprochen, dass das Faust-Gymnasium über ausgezeichnete Chöre verfügt. Ins Gespräch kamen die „FauSTimmen“ jedoch erst, als sich eine Teilnahme des über 50-köpfigen Schulchores aus Kostengründen verbot. Die Kosten sind indes selbst bei einem nur zehnköpfigen Chor noch hoch. Mit Auftritten und über Spenden haben die „FauSTimmen“ versucht, die Reisekasse aufzubessern. Den Löwenanteil mussten dennoch die Eltern oder die Schüler selbst aufbringen. In bar, auch eine chinesische Eigenheit, musste Peter Koderisch das Geld dann nach Karlsruhe bringen. Um sich auf Land und Leute vorzubereiten, haben die Schüler noch von Wen Mao-Eberbach, der chinesisch Lehrerin am Faust-Gymnasium einen Crash-Kurs über Essenssitten und Verhaltensmuster erhalten. Auch über die Geschichte, Kultur, Sehenswürdigkeiten und die Menschenrechtssituation in China haben sich die Chormitglieder informiert.

Doch unmittelbar vor dem Abflug rücken solche Fragen in den Hintergrund. Reisefieber bricht aus und jeder schlägt sich mit seinen vermeintlich kleinen Sorgen herum. Julia Gnann plagt die Angst vor dem Fliegen, ihre Schwester Maria hofft, dass das Essen schmeckt und Pauline Jakob, dass sie kein ihr unbekanntes Fleisch vorgesetzt bekommt. Und auch für Peter Koderisch bleibt es spannend. Ihn plagt etwa die Frage, ob es tatsächlich ausreichend Funkmikrofone für seine zehn Sängerinnen und Sänger gibt.


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