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Die Fahne ist immer dabei, wenn die brasilianische Austauschgruppe unterwegs ist. Hier zeigt sie sich mit Begleitlehrer Nilson Reiter (Mitte) sowie Peter Herrmann und Roger Hochscheidt (von rechts). (FOTO: SABINE MODEL) |
STAUFEN. "Die traurigen Gesichter der 14- bis 17-jährigen Brasilianer liegen am Countdown" , erklärt Begleitlehrer Nilson Reiter. "Dienstag hebt unser Flugzeug nach fünf Wochen wieder ab. Wir waren gerne hier." Der Schüleraustausch am Faust-Gymnasium Staufen hat im 25. Jahr verstärkten Zulauf und neue Qualität. Mit 4 Jungen und 18 Mädchen ist die Gruppe größer denn je.
Deutschland genießt als Wirtschaftsmacht hohen Stellenwert in Brasilien. Viele deutsche Firmen betreiben dort Niederlassungen. Die Einwanderer aus Deutschland haben Spuren hinterlassen. Nicht nur Nachnamen wie Müller, Bernhard, Marquardt, Kipper, Treter, Rittel und Reiter, die in der Austauschliste auftauchen. Die deutsche Sprache zu beherrschen, bringt Vorteile für Ausbildung und Arbeitsplatz - selbst in Brasilien inzwischen hart umkämpft. Englisch und Spanisch können etliche Brasilianer. Deutsch nur wenige. Wer dieses Fach belegt, ansonsten gute Noten nachweist und über genügend Geld verfügt, hat die Chance auf Deutschland. Traum ist, nach der Schule in ein bis zwei Jahren hierher zu kommen, um internationalen Handel und Logistik zu studieren. Dafür sind jedoch einige bürokratische Hürden zu überwinden. Aber auch in São Paulo gibt es inzwischen eine Schule, die das deutsche duale Ausbildungssystem erfolgreich kopiert. Gleichwohl bescheinigen die Brasilianer den deutschen Schülern mehr Ehrgeiz beim Lernen. Dafür erhalten diese an staatlichen Schulen eine Lehrqualität, die in Brasilien nur an teuren Privatschulen geboten wird, wie in Lajeado, Novo Hamburgo und Santa Cruz do Sul, mit denen der Austausch gepflegt wird. "Das kompakte Programm haben die deutschen Gastfamilien diesmal je nach Möglichkeiten überdurchschnittlich gut begleitet" , lobt Roger Hochscheidt, der am Faust-Gymnasium den Schüleraustausch koordiniert. Die privaten Aktivitäten waren attraktiv. Eine Welcome-Party des Glamü-Chefs Hofer in Heitersheim und der Europa-Park kamen gut an. Bei der Weinprobe mit Vesper im Weingut Zotz mundete besonders der Eiswein. Lob erntete die deutsche Küche insgesamt, vor allem wegen der Vielfalt an Brot-, Wurst- und Käsesorten. Touristischer Genuss war das Wochenende in Paris mit imposanten Bauten wie Eiffelturm und Kirchen. Sehr viel "aufgeräumter und moderner" präsentierte sich Berlin an fünf Tagen. Problembewusstsein mit Tiefgang schürte der erstmalige Besuch der "Berliner Unterwelten" , deren Luftschutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg auch der Atomkriegvorbereitung zum Schutz von bis zu 40 000 Berlinern dienten. Nachvollziehbar wurde das Judenschicksal in dem kalten Irrgarten des neuen Holocaustdenkmals. WM-Fußball-Stimulans brachte eine Visite des Olympiastadions. Beeindruckend wirkte der Saal der Philharmonie - leider ohne Konzert. Am Bundestag imponierte vor allem die Gebäudekuppel.
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Nach klirrender Kälte bis minus 18 Grad in Berlin, schneereichem Ausflug auf 1500 Meter ins Berner Oberland, wohligem Thermalbadespaß in der Vita Classica, einer Herzzentrum-Führung und geschichtlichen Informationen vom Staufener Bürgermeister, ist auf ausdrücklichen Wunsch der brasilianischen Gäste noch München angesagt. Olympiagelände, Theresienwiese, Hofbräuhaus, Rathaus, Deutsches Museum und BMW-Museum werden angepeilt. Danach gibt es einen Abschiedsabend im Hause von Hohenthal.
Dann werden endgültig Koffer gepackt - mit den immer gleichen Favoriten: Haribo und Milka-Schokolade. Gummibärchen sind daheim viel teurer und Milka aus Argentinien durch Zusätze geschmacklich verändert. Geheimtipps sind außerdem MP3-Player und Turnschuhe. Aber das Beste bleiben die optimierten Deutschkenntnisse. Schon bald werden sich die Schüler wieder an über 40 Grad heißen brasilianischen Stränden sonnen können, bis im August der deutsche Gegenbesuch erwartet wird.
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