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Conrad Wieser, Lukas Augustin und Victor Staeudinger sind stolz auf den Jugendfilmpreis, den sie für ihren Dokumentarfilm zum Fliegerangriff auf Staufen einheimsten. (FOTO: SUSANNE MüLLER) |
STAUFEN. Ein wenig stolz sind sie schon. Mit Recht. Für ihren Dokumentarfilm zum Fliegerangriff auf Staufen am 8. Februar 1945 heimsten Schüler des Faust-Gymnasiums jetzt den Jugendfilmpreis des Filmbüros Baden-Württemberg ein. Die Verleihung des mit 500 Euro dotierten Nachwuchspreises fand in Stuttgart statt. Am vergangenen Mittwoch, dem 61. Jahrestag des Luftangriffs, präsentierten die Schüler ihr Werk noch einmal in Staufen.
Zuerst waren sie überrascht. “Es kam völlig unerwartet” , schildern die drei Preisträger Lukas Augustin, Victor Staeudinger und Conrad Wieser stellvertretend für die Kursstufe 12 ihre Empfindung beim Eintreffen der guten Nachricht aus der Landeshauptstadt.
Für den Hauptpreis in der Kategorie der 18- bis 23-Jährigen hatte sich die Jury des Filmbüros Baden-Württemberg für den bewegenden Beitrag aus Staufen entschieden. 45 Minuten Filmmaterial wurden von insgesamt 17 Gymnasiasten vor Ort zusammengestellt. Unterstützt wurden sie dabei von ihren Lehrern Michaela Menzel, Kornelia Philipps, Hanno Springer sowie Schulleiter Hans Joachim Kraus. Bereits im Juni vergangenen Jahres ernteten sie große Anerkennung für das Resultat durch die Stiftung Kulturelle Jugendarbeit, die das Projekt ausgeschrieben und gefördert hatte. Stadtarchivar Andreas Lauble öffnete zur Spurensuche ebenfalls sein Schatzkästlein. Fünf Staufener Zeitzeugen schilderten authentisch ihre Jugenderinnerungen vor laufender Kamera: Guido Mayer, Walter Maier, Hermann Riesterer, Agnes Schonhardt und Gertrud Schwarz.
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Am Mittwochabend strömten immer mehr Besucher in die Aula des Faust-Gymnasiums. Mit so viel Interesse hatte man gar nicht gerechnet. Claudia Schultz-Plaat, die stellvertretende Schulleiterin, zeigte sich in Vertretung von Schuldirektor Hajo Kraus stolz über die Prämierung. Insbesondere darüber, dass die Arbeit aus dem Unterricht heraus zum direkten Kontakt mit den Betroffenen geführt habe, wodurch ein bewegendes Dokument zur Zeitgeschichte entstanden sei. Dass die Schüler die Auszeichnung verdient haben, zeigte sich auch an den Reaktionen der Besucher im Anschluss an die Filmvorführung.Man muss es neidlos anerkennen, mit dem Film ist den Gymnasiasten unter dem Label “Latenight Picture Productions” eine ergreifende Dokumentation zur Historie der Stadt gelungen. Was den Film auszeichnet, ist einerseits die mit dramaturgischer Raffinesse und moderner Computertechnik spannend und ohne Längen arrangierte Szenenfolge. Vor allem aber sind es die Schilderungen der Protagonisten, die auf eindrucksvolle Weise das unvorstellbare Inferno und darüber hinaus ihre Jugend während der Nazidiktatur beschreiben.
Auch die Zeitzeugen verdienen besondere Erwähnung. Der Betrachter spürt förmlich das Klirren der Fensterscheiben, das Bersten der Balken, das dumpfe Grollen einstürzender Häuser, den Kugelhagel der Bombergeschwader. Ein Film der unter die Haut geht und ein bemerkenswerter Brückenschlag zwischen Jung und Alt.
Am Anfang sieht man den Neumagensteg - die reine Idylle mit einer malerischen Burg, die pittoresk in den blauen Himmel ragt. Doch dann blendet die Farbe aus und ein beklemmend anschwellender Pulsschlag untermalt die Szenerie. Sirenen heulen auf, Menschen fliehen aus ihren Häusern, innerhalb weniger Minuten liegt Staufen in Trümmern. “Es ist ein wichtiger Film, man kann es nicht oft genug betonen” , sagt der Zeitzeuge Walter Maier heute, 61 Jahre danach, am Ende dieses Abends ins Publikum. Und noch immer schwirren einem die Worte aus dem Film im Ohr, die man nicht so schnell vergessen wird: “Das Trauma wird man nicht mehr los” .
Info: Die DVD, von der bislang 200 Exemplare verkauft wurden, ist in zahlreichen Staufener Läden, sowie per Bestellung bei latenight-pictures@web.de für 10 Euro erhältlich.
www.staufen45.de.vu
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