aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 14. Juni 2006

An der Copacabana Freunde finden
Vor 22 Jahren lernten sich Martina Kleber und Veronica Werwie in São Paulo beim Austausch kennen / Seitdem sind sie Freundinnen

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Model
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Beispielhaft für die Nachhaltigkeit des Brasilienaustausches am Faustgymnasium Staufen ist die Geschichte der deutsch-brasilianischen Freundschaft zwischen Veronica Werwie, geborene Petersen (links), und Dr. Martina Kleber (rechts), die seit 22 Jahren hält.
(FOTO: SABINE MODEL)
STAUFEN/BAD KROZINGEN. An der Copacabana schworen sie sich vor 22 Jahren im Übermut: “Irgendwann sehen wir uns hier wieder mit Kindern und Enkeln.” Inzwischen haben sich Veronica Werwie aus São Paulo und Martina Kleber aus Bad Krozingen häufig getroffen. Aus dem Brasilienaustausch des Faustgymnasiums Staufen erwuchs eine innige Freundschaft, die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht.

Vor 25 Jahren knüpfte der Lehrer Joachim Sprotte die Bande zwischen der Fauststadt und São Paulo, wo er an einer staatlichen Schule unterrichtet hatte. Der Kollege Hans Brunner, ebenfalls mit Erfahrung an deutschen Schulen in Südbrasilien, klinkte sich ein und übernahm schon bald die Verantwortung. Für Martina war der Austausch frühzeitig Thema. Im neusprachlichen Zug lernte sie neben Englisch, Französisch und Latein auch Portugiesisch im freiwilligen Projekt mit dem Ziel: Brasilien.
Zwei Jahre Portugiesisch, gute Noten und die Schule würdig vertreten — das setzte Hans Brunner als Austauschqualifikation voraus. “Er gab einen sehr guten Unterricht, von dem ich keine Stunde, selbst bei schönstem Wetter, je bereut habe und ich empfand den Austausch als Belohnung” , erinnert sich Martina Kleber. Mit 15 Jahren war sie die Jüngste in der 4. Austauschrunde 1983/84.

Währenddessen lernte in São Paulo Veronica Petersen Deutsch als zweite Fremdsprache. Die Argentinierin, die in Brasilien aufwuchs, hatte einen Vater aus deutscher Familie. Sie wusste von dem Austauschangebot, aber ihre Familie konnte es nicht finanzieren. Obwohl sie sich noch recht unsicher in der Sprache fühlte, war ihr Deutschlehrer davon überzeugt, dass sie mitgehen musste und intervenierte bei ihrem Vater. Der schluckte und machte es möglich. Im Januar 1983 kam sie nach Bad Krozingen.

Horst und Helene Kleber gaben sich alle Mühe, ihrer brasilianischen “Tochter” möglichst viel zu bieten. Köln, München, Bonn und Aachen entdeckte sie mit der Gruppe. “Vero” und “Tina” gönnten sich einen Ausflug zu Zweit nach Paris. In der Schweiz machte Veronica erste Bekanntschaft mit Skiern. Beim Abschied am 4. März nahmen sich die beiden Mädchen vor: “Wir weinen nicht. Weinen ist blöd.” Doch der Abschiedsschmerz war stärker.

Von Juni bis August startete Martina den Gegenbesuch. “Es war wie zu Hause” , schwärmt sie. Natürlich gab´ s auch mal Heimweh und Streit. “Das gehört dazu.” Aber es veränderte sich viel. “Ich war nicht mehr dieselbe, als ich zurückkam” , gibt Martina Kleber zu. “Ich wollte nach Brasilien ziehen. In die Großstadt.”

Die heimische Provinz wurde plötzlich neu bewertet und eng. Sie blieb dennoch, wurde ebenfalls Mutter und promovierte Ärztin. Ihre besondere Affinität zum Faustgymnasium währt bis heute.

Auch Veronicas Leben änderte sich. Sie sprach nach dem Deutschlandaufenthalt so gut Deutsch, dass sie in jene Klasse kam, die ihren Abschluss auf Deutsch machte. Danach stand ihr die Humboldt-Berufsschule offen, die in São Paulo das deutsche duale Ausbildungssystem kopiert. Zwei Jahre lernte sie Fremdsprachensekretärin und arbeitete dann acht Jahre bei einer deutschen Firmenniederlassung in São Paulo. Dort lernte sie ihren deutschen Mann kennen und zog vor 10 Jahren mit ihm in die Nähe von Mannheim. Seither ist sie Hausfrau und Mutter von zwei Kindern, die Deutsch und Portugiesisch lernen. Einmal im Jahr fliegt sie nach Brasilien. Letztes Jahr gab es ein großes Familienfest mit ihren Eltern in Bad Krozingen.

Horst Kleber hält den Austausch nach einem Vierteljahrhundert immer noch für eine wichtige Chance, die jungen Leuten Gelegenheit gibt, ein anderes Land kennen zu lernen, den eigenen Horizont zu erweitern, einen neuen Blick auf Deutschland zu gewinnen und sich prägen zu lassen durch diese Erfahrung. “Ich hoffe, das hat noch lange Bestand.”


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