aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 14. Juni 2006

Weites Land mit herzlichen Menschen
25 Jahre Brasilienaustausch

STAUFEN. Seit 1985/86 begleitete Peter Herrmann zusammen mit Hans Brunner die Brasilienaustausch-Gruppen. Man orientierte sich mehr zu den deutschen Schulen im Süden des Landes, um die immer krasser hervortretenden Unterschiede zu den Großstadtkindern zu vermeiden, die mit viel Geld ausgestattet wurden. Vor 10 Jahren ging Brunner in Pension. Peter Herrmann machte weiter und ist bis heute dabei. Als er den Schuldienst quittierte, übergab er mit der Runde 2004/2005 jedoch die Verantwortung an Roger Hochscheidt ab. Nach 4 Jahren Tätigkeit an jener Ursprungsschule in Sao Paulo war er der ideale Nachfolger.

"Es hat lange gebraucht, bis der Austausch richtig etabliert und akzeptiert war", erinnert sich Herrmann. "Hans Brunner und ich kämpften eine ganze Weile gegen ein elitäres Image". Inzwischen haben die Brasilianer immense Fortschritte gemacht. Westliche Standards sind erreicht. Entsprechend haben sich auch die Schüler geändert. Sie wissen aus den Medien, dass auch in Europa nicht alles rosig ist. Und doch genießen sie das freiere Leben in Deutschland mit weniger Angst vor Kriminalität.

Roger Hochscheidt merkt jedoch, dass er zunehmend gegen Routinen ankämpfen muss. Das Lernen von Portugiesisch war eine Zeit lang auf ein Minimum von einigen Wochen geschrumpft. Inzwischen ist wieder ein Jahr Sprachunterricht Pflicht. Andere Austauschangebote an der Schule kommen hinzu. Da gilt es, das Besondere Brasiliens herauszuheben: die Herzlichkeit, Freundlichkeit und Gelassenheit der Menschen, soziale Gegensätze und eine Klassengesellschaft. Die Millionenstädte, das weite Land und der Bezug zu unberührter Natur faszinieren.

Wohl deshalb ist das Interesse zwar schwankend, im Schnitt jedoch kontinuierlich geblieben. Von den bisher insgesamt 1 76 Teilnehmern sind viele mit Brasilien in Kontakt geblieben. Und die Begeisterung ist nach jeder Runde ungebrochen. Nachdem die Brasilianer Anfang des Jahres richtig Schnee erlebten, startet eine Gruppe aus Staufen Mitte Juli in den milden Winter Brasiliens. Man nutzt die jeweiligen Sommerferien für den langen Aufenthalt. Die Wärme der Beziehungen gleicht das raue Klima jedoch rasch wieder aus.


Artikelsammlung       zur Hauptseite