aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 11. Juli 2007

Alte Lieder, junge Stimmen
Erfrischend kontrastierten beim Konzert im Faust-Gymnasium zwei unterschiedliche Klangwelten
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Gemeinsamer Auftritt: "Tsherpatki" in atlasseidenen Trachtenkleidern und "FauSTimmen"
(FOTO: MUTHESIUS)
STAUFEN. "Tsherpatki" : Das sind acht junge Mädchen im Alter von 13 bis 19 Jahren. Sie stehen in glänzenden atlasseidenen Trachtenkleidern im Halbkreis um ihren Dirigenten, der ebenfalls in einer fremden, farbenfrohen Tracht auftritt. Sie singen in einer alten Sprache, die sie selber nur teilweise verstehen, auf alte Melodien, die seit vielen hundert Jahren mündlich überliefert werden.

Die alten Lieder, mit denen der junge Chor vor dem Publikum der gut gefüllten Aula des Faust-Gymnasiums am Samstag auftrat, sind Teil der transbaikalischen Kultur der Altgläubigen im südöstlichen Sibirien. Auch ohne zu wissen, was diese Kultur kennzeichnet: Wenn man die runden, frohen Gesichter der Mädchen sieht, wie sie strahlen, wenn sie sich klackenden Schritts drehen, tanzen und, teilweise mit Akkordeonbegleitung, singen, denkt man unweigerlich an fröhliche, gesellige Dorffeste. Die Stimmung der Lieder begeisterte den Saal schnell, besonders, als bei einem Kennlern-Liedspiel das Publikum mit einbezogen wurde.

Gemeinsam mit den "FauStimmen" eröffneten die sibirischen Sängerinnen das Programm mit "Good News" . Dann folgten die "FauStimmen" gewohnt souverän mit "Blackbird" . Andreas Mölder und Wolfgang Peltzer führten durch das Programm des Staufener Chores.

Mit den Volksliedern "Am Brunnen vor dem Tore" und "Wie komm ich denn zur Tür herein?" konnten sie den Gästen Beispiele für deutsches Liedgut geben. Ansonsten schöpften die "FauStimmen" aus ihrem internationalen Liedrepertoire und begeisterten wieder einmal mit hoher Gesangsqualität und unterhaltsamer, elegant-reduzierter Choreographie. Betonen muss man, dass drei Sänger der "FauStimmen" inzwischen ehemalige Schüler sind, die sich dennoch viel Zeit für Proben und Auftritte nehmen. Auch für die Schülerinnen unter den Sängerinnen bedeutet der Chor ein großes und zusätzliches zeitliches Engagement. Umso schöner, dass sie nach wie vor so enthusiastisch dabei sind.

Erfrischend kontrastierten bei dem Konzert zwei unterschiedliche Klangwelten. Beide Chöre hatten zwei eigene Programmteile. Charakteristisch für den sibirischen Chor ist eine ungewöhnliche Klangbildung, bei der jeder Ton mit hohem Atemdruck und sehr obertonreich erzeugt wird. Die Sängerinnen lernen ihre Melodien allein durch das Hören und Nachsingen, Noten kennen sie nicht. Die Lieder handeln von Liebe, von jungen Mädchen, von Tänzen und Festen, von der Natur und ihrem Zauber, und oft vom Triumph der Fröhlichkeit über ein schweres Schicksal.

Der sibirische Mädchenchor ist eine Nachwuchsgruppe in der Tradition des in Russland bekannten Tanz- und Gesangensembles "Sudbinuschka" , das seit 16 Jahren eine intensive Freundschaft und sängerischen Austausch mit dem Russischen Chor der Universität Freiburg pflegt. Die in der sibirischen Republik Burjatien lebenden Sänger repräsentieren eine Kulturform, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Am Samstagabend wurde diese Kultur lebendig: Die teils rau, teils zauberhaft klingenden Lieder, Tänze und Quadrillen begeisterten das Publikum.Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Konzert entstand durch den Kontakt des Chorleiters Peter Koderisch mit den Leitern des Freiburger Jugendchores "Travka muravka" , Peter Nick und Monika Hermann, die die Tournee für Tsherpakti in Südbaden organisieren.

Mit der gemeinschaftlichen Aktion wollten die "FauSTimmen" nun etwas von der Gastfreundschaft zurückgeben, die sie selber in anderen Ländern erlebt haben. Deshalb blieb es nicht bei dem gemeinsamen Auftritt: Die Chöre trafen sich während der Woche abends mit den Jugendlichen aus Burjatien in Freiburg und vor dem Konzert zeigten sie ihnen ihr schönes Staufen und übten gemeinsam Lieder ein. Mit diesen schlossen sie das Programm.

Daniela Muthesius


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