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Hans-Joachim Kraus (54), seit 2004 Schulleiter des Staufener Faust-Gymnasiums (FOTO: MARKUS DONNER) |
STAUFEN. Es ist eng im Faust-Gymnasium, sehr eng. 1270 Schüler sind im nächsten Schuljahr in dem Gebäude unterzubringen, darunter die 179 Neuanmeldungen für die 5. Klasse. "Unser Haus platzt aus allen Nähten" , klagt Schulleiter Hans-Joachim Kraus. Für ihn führt kein Weg an einer baulichen Erweiterung vorbei. Jetzt muss aber erst einmal improvisiert werden. Sechs Klassen der Oberstufe werden im Kapuzinerhof unterrichtet, der vom Schulträger von der Stadt dafür angemietet wird.
Dass das Faust-Gymnasium überfüllt ist, hängt nicht nur mit seinem guten Ruf zusammen. Die starken Geburtenjahrgänge sind’s, die im Einzugsraum der Schule nach den Daten der Einwohnermeldeämter über die nächsten zehn Jahre jeweils sechs, ab dem Geburtsjahrgang 2001 dann aber immer noch fünf Eingangsklassen bescheren. Auf diesen "Kindersegen" ist das "Faust" nicht eingestellt. Das hat Schulleiter Hans-Joachim Kraus dem Landkreis als Schulträger erst in der jüngsten Sitzung
des Schulausschusses wieder deutlich gemacht und weiß bei seiner Forderung nach einer baulichen Erweiterung sein Lehrerkollegium und die Elternvertretung hinter sich.
Die Berechnungen der künftigen Schülerzahlen gehen von einer Übertrittsquote in das Gymnasium von 40 Prozent aus. Wie realistisch die Erhebungen sind, kann Kraus mit den Anmeldungen für das kommende Schuljahr belegen. 180 neue Schüler lautete die Prognose, 179 waren’s dann gewesen. Im Schülerausgleichsverfahren ("Welcher Schulweg ist wem zumutbar" ) mussten 17 angehende Fünftklässler nach Bad Krozingen abgewiesen werden, wo es 2007/08 vier Eingangsklassen geben wird, ehe die Kurstadt ein Jahr wieder dreizügig weitergeführt werden kann.
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Fakt ist, dass das "Faust" an seiner absoluten Raumgrenze angekommen ist. Nur mit den sieben Wanderklassen und einem ausgeklügelten Stundenplan sei der Unterricht überhaupt noch zu organisieren. Der Bedarf werde speziell 2009 bis 2011 dramatisch steigen, weil dann zwei Stufen zusammentreffen (G 8 und G 9 )— zwei Jahre lang also ein Doppeljahrgang mit 280 Schülern fürs Abitur. Da reichen dann auch die Raumreserven im Kapuzinerhof nicht mehr aus.
Lilienhof — Tuchfabrik — Kapuzinerhof — Dependance Bad Krozingen und nun wieder Kapuzinerhof: Das Faust-Gymnasium ist schon immer auf Wanderschaft gewesen. Pädagogisch sinnvoll ist das nicht. Jetzt muss also wieder der Kapuzinerhof herhalten, der etwa 150 Meter Luftlinie entfernt liegt, aber fußläufig dann halt doch nicht im Turnus einer fünfminütigen Unterrichtspause zu erreichen ist, auch wenn das "Faust" inzwischen den Sport im Schulprofil ausweisen kann.
Durch eine Raumumverteilung können im Kapuzinerhof sechs Klassenzimmer für die Oberstufe hergerichtet werden. Dort, wo bis vor wenigen Jahren noch das inzwischen aufgegebene Goethe-Institut sein Domizil hatte, befinden sich heute Räume für die Vereine, die Jugend und die Vinyard-Kirchengemeinde. Durch die noch andauerende Sanierung des Rathauses musste vorübergehend auch das Stadtbauamt Unterschlupf in dem Multifuktionshaus finden.
Dem Faust-Gymnasium soll vom September an dann der eingeschossige Pavillon als "Lernoase" zur Verfügung stehen. Aus pädagogischer Sicht sprechen die Lehrer von einer "Notunterkunft" . Zwar sind die Räume mit jeweils 69 Quadratmetern recht groß und nach Süden hin auch sonnig, allerdings fehlen Wasseranschluss und Sonnenschutz. Etwa 140 Schüler werden sich dort nach einigen baulichen Veränderungen auf ihr Abitur vorbereiten. Damit nicht für jedes Nachschlagewerk gleich wieder ein Fußmarsch zum Hauptgebäude fällig wird, erhalten die Schüler im Kapuzinerhof neben den fünf Klassenräumen auch noch eine Oberstufenbibliothek und eine Zugriffsmöglichkeit auf die neuen Medien.
Schule führt Gespräche auf allen Ebenen
Dessen ungeachtet werden Schulleitung, Lehrerkollegium und Elternvertretung alles daran setzen, um den Landkreis für die Erweiterung des Stammgebäudes zu gewinnen. Der Bedarf sei unstrittig, da sprechen die dem Schulausschuss vorgelegten Zahlen eine eindeutige Sprache. Doch der Kreis will keine Zusagen machen, ehe nicht eine definitive Förderzusage des Landes vorliegt. Die wiederum werde es nur geben, wenn das Regierungspräsidium als Fachbehörde die dauerhafte Fünfzügigkeit des Faust-Gymnasiums anerkennt.
Derzeit würden auf allen Ebenen Gespräche geführt, so Hans-Joachim Kraus zum derzeitigen Stand. Ihm ist es wichtig, dass der Kreistag schon für das kommende Haushaltsjahr entsprechende Mittel für die Erweiterung des Staufener Gymnasiums einstellt. Dann könnte er auch damit leben, dass die nach 40 Jahren ebenfalls dringend gebotene Sanierung der naturwissenschaftlichen Fachräume, für die rund 800 000 Euro veranschlagt sind, nochmals aufgeschoben wird. "Der Ausbau unserer Schule muss bis 2009 abgeschlossen sein, sonst schlittern wir mit dem Doppeljahrgang in eine Katastrophe."
Provisorien haben am "Faust" schon fast Tradition. Davon bleiben auch die Lehrer nicht verschont. Sie haben bis heute kein "richtiges Lehrerzimmer" . Ein Verbindungsgang vom alten in den neuen Gebäudeteil tut’s ja auch. Dort, auf der Brücke, teilen sich 108 Lehrkräfte 64 Sitzplätze. Die Arbeitsfläche pro Kopf entspricht gerade mal der Größe von zwei DIN-A- 4-Blättern. "Selbst Hennen haben mehr Platz" , schmunzelt Kraus bei seinem Vergleich mit den gesetzlichen Vorgaben bei der Hühnerhaltung.
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