aus der Badischen Zeitung vom Samstag, 28. Juli 2007

Nachsitzen für die Falschen
Das Aus für die Französischpflicht bringt für Gymnasien an der Rheinschiene viel Arbeit in den Ferien / Staufens Direktor Kraus findet es dennoch klasse

Von unserer Redakteurin Simone Höhl
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Hans-Joachim Kraus
STAUFEN. Kultusminister Raus überraschender Abschied von der Französischpflicht hat an vielen Schulen die Pläne über den Haufen geworfen. Die Freude darüber ist groß am Faust-Gymnasium in Staufen. Allerdings hat die Schulleitung damit auch einen stressigen Ferienjob: Sie muss in Windeseile umorganisieren.

Dafür, dass Schulferien sind, ist im "Faust" viel los. Eine Mutter steht mit dem Zeugnis in der Hand an der Anmeldung, das Telefon gibt keine Ruhe, an einem Tisch berät die Sprachenbeauftragte Brigitta Burkard einen Vater. Die 159 neuen Fünftklässler haben plötzlich freie Sprachwahl — und Direktor Hans-Joachim Kraus und sein Team viel Arbeit statt frei. Es hat etwas von Nachsitzen. "Nur für die Falschen" , sagt Kraus gut gelaunt.

Kultusminister Helmut Rau hatte gegen teils heftigen Widerstand angeordnet, dass Gymnasiasten an der Rheinschiene Französisch als erste Fremdsprache lernen müssen. Aufgrund eines Gerichtsbeschlusses nahm er am Dienstag seine Verordnung zurück. Schon am Mittwoch tagten am "Faust" die Schulgremien. Lehrer, Eltern- und Schülervertreter beschlossen, dass nach den Ferien auch wieder mit Englisch oder Englisch/Latein gestartet werden kann. Direktor Kraus will Rau nicht kritisieren, "meinen obersten Dienstchef" , sagt er. "Und es ist für Schule und Kinder ja positiv ausgegangen, es gibt wieder Wahlfreiheit."

Rund 30 Schüler wurden bis gestern für Englisch angemeldet, 40 für das Modell mit Latein. Die übrigen Eltern will Brigitta Burkard nun anrufen. Wer nicht zu erreichen ist, kann nachmelden. Sie glaubt, dass die meisten bei Französisch bleiben — obgleich die Pflicht heftig diskutiert worden war. Eltern aus Staufen und Müllheim hatten dagegen geklagt. Dabei ist die Sprache beliebt. Etwa 95 Prozent der Faust-Abiturienten haben sie gelernt — freiwillig, sagen Burkard und Kraus: "Die Ausschließlichkeit war der Fehler."

Mit der wäre in Staufen auch der stets gefragte Lateinunterricht gestorben. Mit der einzig möglichen Kombination Französisch/Latein wollte niemand beginnen. Weil Englisch ebenfalls Pflicht ist, hätten auch naturwissenschaftlich begabte Schüler drei Fremdsprachen lernen müssen. Kraus konnte nicht damit rechnen, dass er den Klassiker erhalten kann. Und hat dennoch vorsorglich alle Schüler, die gerne Latein gelernt hätten, in eine Klasse gesteckt. Das vereinfacht nun die Neuorganisation von Deputaten und Stundenplänen.

Doch sie bleibt kompliziert genug: Während einige Gymnasien Englisch und Französisch in der Fünften zur Pflicht machten, war in Staufen Englisch nicht eingeplant. "Und jetzt fehlt ein Englischlehrer" , sagt Kraus. Außerdem weiß er nicht, wie viele Klassen es geben wird. Denn einige Kinder wurden trotz Gymnasialempfehlung auf der Realschule angemeldet, um mit Englisch beginnen zu können. "Wenn sechs Schüler rüberrutschen, muss ich eine sechste fünfte Klasse aufmachen." Dann, sagt er, fehlen drei Lehrer.

Trotz aller Unsicherheit wird ab nächster Woche der Stundenplan erstellt — samt Notfallplan, sagt Kraus: "Wir müssen gucken, dass der Laden läuft, wenn 1260 Schüler und 105 Lehrer da stehen."


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