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Hier werden Mikrochips entworfen: Winfried Sturm präsentiert in der Werkstatt der Hardware AG das neueste Modell. (FOTO: NICOLAS SCHERGER) |
STAUFEN. Vom Commodore 64 über eine Erdbeben-Messstation bis zum Warnsystem gegen Sekundenschlaf: Seit 25 Jahren besteht die Hardware-Arbeitsgemeinschaft (HAG) am Faust-Gymnasium Staufen, heute wird offiziell gefeiert. Gegründet hat sie der Lehrer Winfried Sturm — die HAG ist sein Lebenswerk.
Die Hardware AG
Am Anfang stand ein kaputter Heimcomputer, ein Commodore 64, den Winfried Sturm für einen Schüler repariert hat. Tags darauf baten ihn 25 Schüler, eine Hardware AG zu gründen. "Dabei hatte ich gar keine Ahnung von Computern" , sagt Sturm und schmunzelt. 20 Jahre lang hat die AG im stillen Kämmerlein vor sich hingearbeitet, Programme geschrieben, Betriebssysteme verändert, Roboter gebaut. Doch 2002 trat die HAG ihren Siegeszug bei bundesweiten Technologie-Wettbewerben an. Seitdem zeigt sie ihre Erfindungen bei Messen wie Cebit oder Didacta. Dazu kamen TV-Auftritte, etwa in "Die Große Show der Naturwunder" und "Galileo" . Zu den Kooperationspartnern der HAG zählen die Universität Freiburg, der Deutsche Erfinderverband und Firmen wie Micronas, Intel oder Sick.
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Der Lehrer
"Wenn ich auf eine Wand stoße, renne ich sie ein" , sagt Winfried Sturm, Jahrgang 1945, Tüftler von klein auf, Lehrer für Physik, Mathematik, Informatik und Hobbymagier, vom Magazin Stern zum Lehrer des Jahres 2004 gekürt. Er sieht sich als Bildungsrebell, der die Schüler für Naturwissenschaft und Technik begeistern will. Seine Methode: Veranschaulichung und Disziplin. Zum einen führt er seine Schüler mit einfachen Versuchen hin zu abstrakten Formeln. Zum anderen ist sein Unterricht durchstrukturiert, jede Sekunde ist kostbar. Wer gegen Regeln verstößt, schreibt einen Aufsatz zu einem Besinnungsthema. Er fordere die Schüler bis zur Leistungsgrenze, denn: "Nicht nur Intelligenz, sondern auch Wille, Ausdauer und Teamfähigkeit sind entscheidend."
Die Erfindungen
Vor acht Jahren nahm die HAG im Schulkeller eine Messstation in Betrieb, die weltweit Erdbeben registriert. "Damit wurden wir berühmt" , sagt Sturm. Dann wandte sie sich den Mikrochips zu, erzielte mit einem Warnsystem gegen Sekundenschlaf am Steuer bundesweit Aufmerksamkeit und entwarf eine Orientierungshilfe für Sehbehinderte: "Wir bauen die Brücke zwischen Hochtechnologie und gelebter Mitmenschlichkeit."
Die Schüler
Ausdauer brauchen sie schon, bevor sie loslegen dürfen: Die HAG-Warteliste ist lang. Einige lassen sich in Klasse 5 eintragen, los geht’s frühestens ab der Neunten, maximal für ein Dutzend. Gut 200 Gymnasiasten haben sich laut Sturm bislang in der HAG engagiert, 80 Prozent von ihnen später ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium begonnen.
Die Werkstatt
Die Erfindungen entstehen in Sturms Privathaus. Die Familie zieht mit: Seine Frau kocht für alle, die drei Söhne waren früher selbst in der HAG. Wenn ein Wettbewerb läuft, treffen sich die Teilnehmer täglich, oft bis spät nachts. Der Stress ist dann groß, erzählt Winfried Sturm: "Wir haben geheult da unten" — aber auch gefeiert. Pokale und Urkunden zeugen von vielen Erfolgen. Die haben auch Sponsoren überzeugt: Die Werkstatt ist unter anderem mit PCs, elektronischen Messgeräten und CNC-Drehbänken ausgestattet.
Die Zukunft
Die HAG greift wieder an: Nach einer Pause nimmt sie erneut am Wettbewerb "Invent a Chip" teil — mit einer Technologie gegen längere Atemaussetzer im Schlaf. Zudem betätigen sich die HAG-Mitglieder als Solar-Scouts: Sie beraten Hausbesitzer, deren Dächer für Solaranlagen geeignet sind. Winfried Sturm hat beantragt, ein weiteres Jahr im Schuldienst bleiben zu dürfen. Eigentlich soll er 2009 in Pension. Doch egal wie es ausgeht: Die Hardware AG, versichert Sturm, wird weiter bestehen.
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